Globalisierung und linke politischer Bezugnahme hierauf
Beschluss des BHA vom 31.5. - 2.6. 2002I. [Globalisierung als Projekt & Prozess]
1.
Globalisierung ist vor allem das Ergebnis gesellschaftlicher Auseinandersetzungen und politischer Entscheidungen. In ihrer derzeitigen Form ist sie Resultat und Bestandteil von neoliberalen Pilotprojekten, die sich in ihren verschiedenen Varianten und Zuspitzungen seit den 80er Jahren weltweit auf dem Vormarsch befinden. Daneben hat aber auch die Entwicklung der Produktivkräfte eine bestimmte Qualität der Verflechtung wirtschaftlicher Beziehungen erst ermöglicht. Die seit den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts beginnende Globalisierung der Waren- und Finanzmärkte sowie der Produktionsabläufe ist auf zwei wesentliche Ursachen zurückzuführen: im Bereich der Ökonomie beginnt die Dritte Industrielle Revolution, und auf politischer Ebene löst der Neoliberalismus (Reaganomics & Thatcherismus) den Keynesianismus als vorherrschende politischer Regulation ab.2. Produktivkraftentwicklung
Die zunehmende Verflechtung der wirtschaftlichen Beziehungen ist zum einen Folge der Entwicklung der Produktivkräfte; insbesondere in Zusammenhang mit der Dritten Industriellen Revolution (Mikroelektronik, Computerisierung usw. Hierdurch konnte die Warenproduktion sowie der Austausch von Dienstleistungen und die internationalen Handelsbeziehungen über größere regionale Entfernungen und damit wesentlich internationalisierter und flexibler gestaltet werden. Die Entwicklung verschärfte so die Krise des Fordismus und läutete darauf folgend das Ende der fordistischen Phase kapitalistischer Produktion ein. Der typische fordistische “Fließbandarbeiter” wurde und wird zunehmend durch computergestützte Roboter ersetzt. Gleichzeitig verlangten die veränderten Produktionsmittel höhere Anforderungen an die Beschäftigten. Flexiblere, innovativere und auch selbständigere Tätigkeiten erhöhten die Arbeitsproduktivität und gerieten in zunehmend in Widerspruch zur klassisch fordistischen Arbeitsweise.Die damit einher gehende Veränderung der Erwerbsarbeit bzw. der Erwerbsarbeitsverhältnisse ist überaus heterogen. Es haben sich quer durch die verschiedenen Branchen eine Reihe von Tätigkeitsfeldern mit komplexen Aufgabenzuschnitten, hohen Kompetenzanforderungen und einem großen Maß an Eigenentscheidung herausgebildet. Gleichzeitig ist aber sowohl im industriellen wie auch im Dienstleistungssektor ein großer Bereich an niedrig-qualifizierten, häufig prekären und monotonen Tätigkeiten entstanden. Diese Entwicklung führt zu einer verschärften Fragmentierung der Gesellschaft führt: Mit der Renaissance unqualifizierter und prekärer Arbeitsverhältnisse drohen bestimmte Bevölkerungsgruppen vom Hauptstrang der Entwicklung zu relativ anspruchsvollen und qualifizierten Tätigkeiten durch die Art ihrer Beschäftigung regelrecht abgekoppelt zu werden. Extrem repetitive und körperlich belastende Arbeiten bilden das tayloristische Fundament des ‚low tech-Unterbaus’ der ‚high tech’-Wirtschaft.
3. Neoliberalismus als politische Form
Neben den ökonomischen Veränderungen veränderte sich zunehmend auch die Form der politischen Regulation. Bestimmte bisherige keynesianische Regulationsformen stießen an ihre Grenzen und wurden abgelöst. Neoliberale Regierungen, zunächst in den USA und Großbritannien gewannen die Wahlen und begannen mit ihrer Politik der Privatisierung gesellschaftlicher Risiken und des Abbaus von Zöllen und Handelsbeschränkungen. Dabei entsprach diese Politik in vielfacher Hinsicht den ökonomischen Veränderungen. So war die Politik des Abbaus von Handelsbeschränkungen (GATT & WTO) nicht nur im Einklang mit den Interessen der wirtschaftlich starken kapitalistischen Industrienationen; sie entsprach auch der durch die Dritte Industrielle Revolution kürzer gewordenen Kommunikations- und Transportwegen. Zugleich wurden durch die Politik des “Freihandels” und durch die Politik von IWF und Weltbank ökonomisch schwächere Staaten, z.B. die Dritte Welt, verpflichtet, ihre Märkte für die Produkte der kapitalistischen Industrienationen zu öffnen. Der außenwirtschaftlichen Liberalisierung entsprach der Politik der Liberalisierung im eigenen Land. Um den eigenen Nationalstaat in der nun so geschaffenen internationalen Standortkonkurrenz bestehen lassen zu können, wurden die Kapitalverwertungsbedingungen “erheblich verbessert”. Massenarbeitslosigkeit und Sozialabbau bei gleichzeitigen Steuer- und Abgabensenkungen für Unternehmen und Vermögende waren die Konsequenzen. Dabei stellte sich diese Politik des Sozialabbaus trotz der darin enthaltenen Einschränkungen für viele Menschen unter der Voraussetzung der Akzeptanz der internationalen Konkurrenz als im wesentlichen alternativlos dar. Gewerkschaften und bestehende soziale Protestbewegungen wurden gezielt politisch geschwächt und als “Besitzstandswahrer”, die das Wohl des Standorts gefährden, denunziert. Dieser Prozess ist bis heute noch nicht abgeschlossen. So wurde die Logik der Standortkonkurrenz zunehmend hegemonial, weil sie wurde, was sie nicht war: real.Die verschärfte internationale Staatenkonkurrenz unter der Ägide der Handelsliberalisierung führte dazu, dass sich auf internationaler Ebene wesentlich drei wirtschaftlich potente Blöcke (USA, EU; Japan/Fernost) herausbildeten. Diese Blöcke unterhalten in der Regel bereits eigene Freihandelszonen, um sich einerseits gegen den Zugriff der konkurrierenden Blöcke abzusichern und sich hierbei Vorteile zu verschaffen. Andererseits versuchen sie, Handelsbeschränkungen der konkurrierenden Blöcke mittels gemeinsamen wirtschaftlichen und politischen Drucks zu überwinden und Absatzmärkte auch dort zu sichern. Ein Ausdruck dieser sich herausbildenden Wirtschaftsblockbildung sind die Handelskriege um Einfuhrquoten und Strafzölle.
4. Das Ende des RealSoz & der vorläufige Sieg des Neoliberalismus
Ein Katalysator für den beginnenden Siegeszug des Neoliberalismus als politische Form der Globalisierung stellte der Zusammenbruch des Realsozialismus dar. Das hieraus entstehende politische Vakuum in den Ländern des realsozialistischen Blocks beförderte die Durchsetzung des neoliberalen Prozesses. Größere Teile der Welt mit existierender Infrastruktur und ausgebildeten Arbeitskräften, welche sich in regionaler Nähe zu den hochentwickelten kapitalistischen Industrienationen befanden, wandelten sich marktwirtschaftlich. Die hierdurch entstandenen starken Differenzen in den sozialen, kulturellen und ökologischen Standards setzten insbesondere die bestehenden Standards in den westlichen Industrieländern zusätzlich unter Druck. Auf ideologischer Ebene wurde dies durch die These vom angeblich “endgültigen Sieg der Freiheit und Marktwirtschaft” und gegen jede Form staatlicher Einflussnahme in wirtschaftliche Prozesse begleitet, wodurch neben den sich affirmativ auf den Realsozialismus beziehenden Kräften der Linken auch jene Kräfte weiter in die Defensive gerieten, welche überhaupt noch den Anspruch gesellschaftlicher Steuerung erhoben und ein blindes Vertrauen auf die “Selbstheilungskräfte des Marktes” kritisierten.5. Monopolisierung
Die zunehmende Verflechtung der wirtschaftlichen Beziehungen ist zudem Folge der Tendenz zur Monopolisierung, d.h. der wachsenden Dominanz von einzelnen Unternehmen und Firmenkonglomeraten in bestimmten Branchen als “Marktführer”. Die Monopolstellung dieser Unternehmen in einem bestimmten Bereich der Warenproduktion nötigt und ermöglicht ihr wirtschaftliches Agieren nunmehr auch im transnationalen Rahmen. Aufgrund dieser marktbeherrschenden Stellung können diese Unternehmen das nötige technische know-how als auch das hierfür notwendige Kapital zur flächendeckenden und standardsetzenden internationalen Markteinführung aufbringen. Die Notwendigkeit zum schnellen und möglichst beschränkungsfreien Fluss von Kapital auch über den nationalen Rahmen hinaus führt zu einem erheblichen Aufschwung der Transaktionen auf den Finanzmärkten und deren gegenseitiger Verflechtung. Damit nehmen auch kurzfristige Transaktionen in spekulativer Absicht unter Ausnutzung von Kursschwankungen und Bewertungsdifferenzen innerhalb der miteinander verflochtenen Finanzmärkte zu.6. Verelendung ganzer Regionen der „Dritten Welt“
Die Politik des Neoliberalismus hatte insbesondere für die „Dritte Welt“ erhebliche fatale Konsequenzen. So waren die nach ihrer Befreiung aus kolonialer Herrschaft entstehenden jungen Nationalstaaten und ihrer sozialen Akteure, den nationalen Befreiungsbewegungen, in der folgenden Phase der Ost-West-Blockkonfrontation in der Regel wirtschaftlich eingebunden. Mit Hilfe und im Schlepptau des kapitalistischen bzw. realsozialistischen Blocks gelang es ihnen häufig mittels zentraler staatlicher Entwicklungsprogramme wirtschaftliche, infrastrukturelle, soziale sowie bildungs- und gesundheitspolitische Erfolge zu erringen. Im Gegenzug nutzten die konkurrierenden Blöcke diese Staaten geostrategisch und vorwiegend als Rohstofflieferanten.Im Zuge der Durchsetzung des neoliberalen Projekts und des Endes der Blockkonfrontation änderten sich diese Bedingungen jedoch grundlegend. Ganze Regionen der „Dritten Welt“ wurden wirtschaftlich und entwicklungspolitisch „abgehängt“. Um sich greifende Banden- und Bürgerkriege zwischen nunmehr erstarkten religiös-fundamentalistischen oder ideologisch „herrenlos“ gewordenen politischen Bewegungen führte zu zunehmender Instabilität von Regierungen dieser Länder bis hin zum Verlust jeglicher (zentral-)staatlicher Regierungsformation überhaupt. Diese Auseinandersetzungen und das Ausbleiben jeglicher dauerhafter Unterstützung durch die Industriestaaten riss ganze Regionen in allgemeine Armut, Unterentwicklung und Krieg.
Als dramatisch gestaltet sich auch die Ausbreitung von ‚Exportproduktionszonen’ (EPZ) in Schwellen- und Drittweltländern. Hierbei handelt es sich um Gebiete, in denen auf dichtem Raum Produktionsstädten errichtet sind, in denen Kleidung, Spielzeug oder Elektronik führender westlicher Unternehmen produziert werden. Problematisch ist zum einen, dass es in diesen Gebieten weder Ein- noch Ausfuhrzölle gibt und weder Einkommens- noch Vermögenssteuer bezahlt werden. Zum anderen ist aber insbesondere die Situation der Beschäftigten dramatisch: Der Arbeitstag ist bis zu 16 Stunden lang, die Verträge sind fast durchweg befristet und die Löhne liegen unter dem Existenzminimum. Arbeitsschutzbestimmung und Arbeitsrechte fehlen fast völlig und es kommt nicht selten zu Misshandlungen durch die ‚Aufseher’.
Diese unmenschlichen Zustände stehen in eklatantem Widerspruch zum Produktivitätsfortschritt in den Industrieländern und sind die offenbare Widerlegung des neoliberalen Heilsversprechens von angeblich allgemeinen Wohlstand unter den Bedingungen marktwirtschaftlicher Konkurrenz.
II. [Gegenstrategien: Globalisierung - aber richtig!]
Aus diesen Zusammenhängen ergibt sich, dass die Internationalisierung ökonomischer Abläufe auf zwei Ebenen analysiert werden muss. Als objektiver gesellschaftlicher Entwicklungsprozess ist sie Ausdruck des wissenschaftlich-technischen Fortschritts und bietet als solche umfassende Möglichkeiten der Verbesserung des sozialen, kulturellen, technischen und ökologischen Lebensstandards in der Welt. Unter den Bedingungen des neoliberalen globalen Deregulierungsprojekts jedoch verkehrt sich diese Möglichkeit in ihr Gegenteil und führt unter der Bedingung sich ausweitender Konkurrenz zu Sozialdumping, massenhafter Armut, Absenkung kultureller Standards, ökologischem Raubbau und Krieg.
Deshalb gilt es, die politische Kritik auf die neoliberal dominierten Bedingungen, unter denen die Internationalisierung wirtschaftlicher Abläufe stattfindet, zu konzentrieren. Scharf zurückzuweisen ist dagegen eine Fremd- oder gar Selbstetikettierung der Protestbewegung als “GlobalisierungsgegnerInnen” bzw. “Antiglobalisierungsbewegung”. Weder das bloße Verbot technischer Möglichkeiten noch die Renationalisierung der der Produktion sind eine erstrebenswerte Alternative zur Transnationalisierung der Waren- und Handelsbeziehungen. Vielmehr sind die enormen Fortschrittspotenziale, welche in dieser Tendenz existieren, positiv herauszustellen.
Demgegenüber unterliegt das politische Projekt einer umfassenden Deregulierung und Absenkung von Standards, unter welchem gegenwärtig der Prozess der Globalisierung verläuft, der Kritik von JungdemokratInnen-Junge Linke. Es handelt sich hier um die bewusste Anheizung und Ausweitung internationaler Standortkonkurrenz zulasten demokratischer gesellschaftlicher Steuerungsmöglichkeiten.
Kernforderung internationaler radikaldemokratischer Reformpolitik im Wirtschaftsbereich ist somit die umfassende (Re-)Regulierung der nunmehr grenzübergreifenden ökonomischen Abläufe. Hierzu bedarf es der (Wieder-)Herstellung politisch gesteuerter Einflussmöglichkeiten durch staatliche Regularien und entsprechende Institutionen (wie insbesondere der EU), welche Mindeststandards in sozialer, kultureller und ökologischer Hinsicht aufstellen und durchsetzen können. Dies gilt insbesondere bei der Arbeitsentgeltung (Mindestlöhne), der Arbeitszeit (Höchstarbeitsstundenzahl) des Arbeitsumfeldes und der betrieblichen Mitbestimmung (z.B. Einrichtung von Betriebsräten; Ausweitung auch auf internationaler Ebene), dem zur Verfügung zu stellenden Angebot an Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen und die Schaffung von allgemeinen Zugangsmöglichkeiten hierzu sowie der Schaffung umfassender Prüf- und Eingriffskompetenzen bei ökologisch belastenden Vorhaben.
Die Bedingungen für Regulierungsmöglichkeiten gerade auf europäischer Ebene sind in den vergangenen Jahren durch den europäischen Prozess erheblich verbessert worden. Mit der Schaffung von Institutionen und Regularien auf dieser supranationalen Ebene ist es nunmehr auch möglich geworden, einheitliche Sozialstandards offensiv auf die Tagesordnung des europäischen Prozesses zu setzen. Denn trotz der Kritik von JungdemokratInnen-Junge Linke an der vorherrschenden neoliberalen Prioritätensetzung bei der Gestaltung des europäischen Vereinigungsprozesses ist nunmehr gerade auch die EU erweiterte Ebene von Sozialpolitik und damit auch Forderungsadressat sozialen Protests.
Parallel hierzu gilt es auch weiterhin auf nationalstaatlicher Ebene an entsprechenden Mindestanforderungen festzuhalten - und zwar auch dann, wenn diese Standards (noch) nicht international durchgesetzt sind -, um eine allgemeine Abwärtsspirale durch Gegeneinanderausspielen nationaler Regelungen zu verhindern.
Jedoch ist JungdemokratInnen-Junge Linke bewusst, dass allein die Schaffung von verbindlichen nationalen und internationen (Re-)Regulierungsstandards die bestehenden starken Ungleichgewichtigkeiten nicht beenden oder lindern, sondern möglicherweise sogar vielfach noch verstärken wird, weil selbst die Erfüllung dieser Standards dann in der Regel nur den industriell starken Nationen möglich oder für diese politisch bzw. ökonomisch akzeptabel sein würde. Deshalb muss mit der Schaffung von (Re-)Regulierungsstandards und -instanzen zwingend die radikale Ausweitung international solidarischer Entwicklungshilfe- und Umverteilungspolitik einhergehen, um allen Nationalstaaten überhaupt die Möglichkeit zu geben, an der Schaffung und Ausweitung dieser Standards mitzuwirken und teilzuhaben. Neben des hierfür erforderlichen massiven gesellschaftlichen Drucks wird eine solche Anforderung an eine politische Reform noch durch die Tatsache erschwert, dass nicht wenige Staaten der so genannten “Dritten Welt” durch autoritäre Regime, Militär-Juntas oder scheindemokratische Regierungsformen beherrscht wird. Um eine tatsächliche Stärkung der wirtschaftlichen Teilhabemöglichkeiten der Staaten zu erreichen, muss eine radikale solidarische Entwicklungshilfe- und Umverteilungspolitik auch in den Staaten selbst die Gewähr dafür bieten, dass Schuldenstreichungen und finanzielle Hilfen nicht der Aufrechterhaltung dieser repressiven Regierungsformen, sondern maßgeblich der Verbesserung der Lage der Bevölkerung mittels Gesundheits- und Bildungsprogrammen zugute kommen und eine demokratische Entscheidung über die Projekte gewährleistet ist.
III. [Globalisierung & JungdemokratInnen-Junge Linke; BündnispartnerInnen, Stärkung von Forderungen]
Die so genannte „Antiglobalisierungsbewegung“ stellt sich als sehr heterogene Mischung verschiedener - linksliberaler, humanistisch oder religiös inspirierter, linkssozialdemokratischer, alternativ-ökologischer, kommunistischer oder autonom-linksradikal-anarchistischer – Positionen dar. Nichtregierungsorganisationen verschiedenen politischen Anspruchs agieren neben verbliebenen AktivistInnen sozialer Bewegungen und Linken aus dem akademischen Mittelbau. Dogmatisch-sektiererische Neo-K-Grüppchen (meist trotzkistischen) kommunistischen Einschlags halten die Protestbewegung für ein ideales Mitgliederrekrutierungsfeld. Autonome AntifaschistInnen erblicken in der Anti-Institutionalität der so genannten „Antiglobalisierungsbewegung“ Anknüpfungspunkte in Protestinhalten und –formen.
In der Vorbereitung und Durchführung der Proteste hat sich gezeigt, dass diese verschiedenen Ansätze politischer Orientierung zumeist in einer „großzügig“ gestalteten inhaltlichen Bündnisaussage agiert haben. Aus der Pluralität der Kritik an den Erscheinungsformen der neuen Phase kapitalistischer Produktion und Handels entwickelte sich ein gewisser Grundkonsens dahingehend, das Einende des Protests (die Kritik „am Neoliberalismus“) vor die Auseinandersetzung über detaillierte Herleitung und Bestimmung der Kritik zu setzen und sich weiterhin in der Frage staatlicher Repression nicht in „gute friedliche“ ProtestlerInnen einerseits und „böse Gewalttäter“/“Radikale“ andererseits aufspalten zu lassen. So notwendig – und in der Frage der Antirepression zwingend erforderlich – dies auch in der Situation des Organisierung des Protests und des Reagierens auf die staatliche Gewalt war, so bleibt dennoch eine berechtigte Forderung an die soziale Bewegung, das „Nebeneinander“ der formulierten Kritik zurückzudrängen, den Gegenstand und Inhalt der Kritik schärfer zu benennen und mobilisierende Reformalternativen zu formulieren. Gleichzeitig muss der Konsens, sich nicht in der Stellung zur „Gewaltfrage“ aufspalten zu lassen, unbedingt bestehen bleiben.
Kristallisationspunkt in diesen noch zu führenden Auseinandersetzungen ist für JungdemokratInnen-Junge Linke die Organisation attac. In ihr sind alle wesentlichen Strömungen der so genannten „Antiglobalisierungsbewegung“ vertreten. In und im Umfeld von attac werden die einer jungdemokratischen systemkritischen radikalen Reformpolitik im Bereich der internationalen Wirtschafts- und Sozialpolitik am nächsten stehenden Positionen vertreten; ebenso wie dort Inhalte der linken feministischen, ökologischen, entwicklungspolitischen, antirassistischen und Friedensbewegung aus den 80er Jahren vertreten werden und dort eine gewisse Revitalisierung erfahren haben.
Gleichzeitig halten JungdemokratInnen-Junge Linke die Ausformulierung und inhaltliche Schwerpunktsetzung von attac für gegenwärtig nicht entschieden und damit umkämpft. Die bisherige zentrale politische Forderung von attac, die Forderung nach Einführung einer Steuer auf kurzfristige (meist spekulativ motivierte) Börsengeschäfte ist zwar einerseits vor der politischen Motivation der Rückgewinnung internationaler (Re-)Regulierungs- und Umverteilungsmöglichkeiten im Wirtschaftsbereich zu begrüßen. Andererseits griffe die Beschränkung auf diese Form der Besteuerung von Kapital deutlich zu kurz. Angesichts des dargestellten notwendigen Ausmaßes von politischen Eingriffsmöglichkeiten in wirtschafts- und sozialpolitische Abläufe kann es aber nicht bei einer Aussparung der massiven Besteuerung auch des nichtspekulativ, sondern investiv/produktiv eingesetzten Kapitals und hoher Privatvermögen bleiben. Dies ist daneben auch im übrigen auch deshalb notwendig, um dem falschen Eindruck entgegenzuwirken, die gegenwärtige Produktionsweise sei nicht bereits aufgrund der in ihrer angelegten destruktiven Prozesse von Ausbeutung, Konkurrenz, Umweltzerstörung, Nationalismus und Krieg Gegenstand der Kritik, sondern „nur“ deren spekulativer Missbrauch durch einzelne Akteure an den Börsen der Welt.
JungdemokratInnen-Junge Linke sehen es deshalb in der Auseinandersetzung um die angemessenen politischen Formen und Forderungen als wichtig an, im Bündnis und Zusammenarbeit mit anderen Kräften der so genannten „Antiglobalisierungsbewegung“, vor allem im Umfeld der Organisation attac einerseits die Notwendigkeit offen formulierter radikaler Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen insgesamt (und nicht nur in ihren Phänomen) als auch andererseits die Notwendigkeit mobilisierender radikaler Reformforderungen, welche eine lebensnahe Perspektive der Verbesserung sozialer, demokratischer und ökologischer Lebensverhältnisse bietet, zu stärken. In der Konkretisierung legen JungdemokratInnen-Junge Linke dabei auf folgende Punkte Schwerpunkte:
die umfassende und massive Besteuerung von Kapital und hohen Privatvermögen
die Schaffung bzw. Stärkung institutioneller Rahmen für politische Eingriffsmöglichkeiten auf internationaler Ebene zur Angleichung der sozialen, demokratischen, ökologischen und kulturellen Standards
die Forderung nach massiver und längerfristig angelegter Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums zugunsten der Länder der „Dritten Welt“; insbesondere durch Infrastrukturentwicklungs-, Bildungs- und Gesundheitspolitikmaßnahmen bei gleichzeitiger Unterstützung von sozialen Protest- und Demokratisierungsbewegungen in diesen Ländern. Die sofortige bedingungslose Schuldenstreichung wäre ein erster Schritt.
die Rücknahme der Abschottungspolitik der Industrienationen gegenüber den Flüchtlingen aus politischen und wirtschaftlichen Gründen
die Forderung nach umfassenden und verbindlichen sozialen, kulturellen und ökologischen Mindeststandards auf europäischer Ebene
Zu diesem Zweck bringen sich JungdemokratInnen-Junge Linke stärker als bisher in bestehende oder sich bildende Bündnisse ein. Hierzu ist es notwendig, regelmäßig an den Bündnistreffen teilzunehmen und an den inhaltlichen Vorbereitungen mitzuwirken. Dies muss durch die Erweiterung der gegenwärtigen personellen und finanziellen Möglichkeiten abgesichert werden.
Das Thema „Globalisierung“ erscheint des weiteren aufgrund seiner Bezüge zu antimilitaristischen, antirassistischen und feministischen Fragestellungen immer mehr als „Querschnittsthema“. Deshalb wird angestrebt, den innerverbandlichen Austausch zu Themenkomplexen anderer Bundesarbeitskreise, welche in Zusammenhang mit der Transnationalisierung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen stehen, deutlich zu intensivieren.